Zukunftsaussichten?

Buddha würde vielleicht sagen: “Der gegenwärtige Augenblick bietet genügend Abenteuer und Herausforderungen. Warum sich mit Irrealem beschäftigen?”

Für Tiere, sagt man, existiert Zukunft nicht. Tiere leben im Hier und Jetzt, sie sind sich dessen nur nicht bewusst. Die menschliche Fähigkeit, denken zu können, ermöglicht die Gedankenform Zukunft. Dabei stellen Zukunftsaussichten für das normale Verstandesdenken keine Hellsichtigkeit dar, sondern sind lediglich eine Hochrechnung auf der Basis von Erfahrungen aus der Vergangenheit. Man kann also sagen, dass der Verstand ausschließlich dazu in der Lage ist, mit der Vergangenheit zu spielen.

Mit der Gegenwart kann der Verstand nichts anfangen. Er ist darauf angewiesen, gegenwärtige Sinneseindrücke und Wahrnehmungen mit bereits gespeicherten Erfahrungen zu vergleichen und sie auszuwerten und einzusortieren.

Mit Sinneseindrücken und Wahrnehmungen, die der Verstand noch nicht kennt, hat er Probleme. Entweder er registriert sie nicht einmal oder er erzeugt das Gefühl Angst. Fremdes macht Angst.

Unser verstandesmäßiges Denken macht es uns sehr leicht, uns in gewohnter Umgebung sicher zu fühlen und uns zurechtzufinden.

Wie man weiß, sind Gewohnheiten natürlich auch für Tiere, ebenso wie für Menschen, eine lebenserleichternde und geradezu lebensnotwendige Folge von Lernfähigkeit und Konditionierung, die phylogenetisch wesentlich älter ist als das Denken und weitgehend unbewusst ist. Das Denken ist eine ziemlich neue Errungenschaft der Evolution und dabei ein sehr ambivalentes Werkzeug. Die technischen und wissenschaftlichen Leistungen, die das Denken ermöglicht, sind mehr als atemberaubend. Die Destruktivität, die damit einhergehen kann, macht nicht weniger fassungslos.

Zweifellos leben wir (noch) in einer Epoche, die fast vollständig vom Denken dominiert ist. Versucht man, sich eine Übersicht über die Entwicklungen der menschlichen Gesellschaften und über den Zustand ihrer Lebensgrundlagen zu verschaffen, hat uns das Denken unterm Strich keine guten Dienste erwiesen.

Die Weisen und Erwachten der menschlichen Geschichte haben ausnahmslos dazu aufgefordert, das Denken in seine Schranken zu weisen und sich weder an Vergangenheit oder Zukunft zu orientieren, sondern den Segen des Lebens in der Gegenwart zu finden.

Haben sie damit gefordert, das Denken abzuschaffen?

Wohl nicht. Sie haben eher auf die Einsicht angespielt, das Denken dazu zu benutzen, wofür es von der Evolution geschaffen wurde: Als dienstbares und höchst effizientes Werkzeug zur Organisation unseres Alltags. Punkt.

Hätte Gott gewusst, dass seine Kinder es zulassen, dass der Diener sich zum Diktator hochputscht, hätte er das Denken aus seinem Sortiment genommen!

Warum aber hat das Denken diese offensichtlich so gefährliche, destruktive Komponente?

Zieht man auf diese Frage wieder die Weisen und Erwachten zu Rate, zielen die Antworten letztendlich immer auf denselben Begriff: ANGST!

Wer behauptet, Tiere hätten auch Angst?

Tiere kennen keine Angst! Tiere kennen sehr wohl Furcht, als Reaktion auf eine reale Bedrohung.

Angst dagegen ist eine Gedankenform, die ausschließlich dem Menschen vorbehalten ist und keine Reaktion auf eine reale Bedrohung darstellt, sondern eine furchteinflößende Prognose auf der Basis von bereits erlebten Erfahrungen ist. Angst ist ein Wesensmerkmal des Denkens und kommt ohne Vergangenheit und Zukunft nicht aus. In der Gegenwart ereignet sich nur Furcht, als mitunter lebensrettende Reaktion.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Angst in einer vom Denken dominierten Gemeinschaft eine so beherrschende Rolle spielt? Ich weiß, das ist Sarkasmus.

Natürlich wissen wir alle, dass Angst ein Machtinstrument ist. Aber wir beschränken uns nicht darauf, uns damit führen zu lassen, sondern konsumieren sie sogar freiwillig. Welche plausible Erklärung gibt es sonst für eine florierende Medienindustrie voller angsterzeugender Inhalte? Warum verkaufen sich schlechte Nachrichten so prächtig? Warum machen Versicherungskonzerne Milliardenumsätze?

Sind wir so etwas wie Angst-Junkies? Es scheint fast so zu sein.

Wenn man es weiß, warum ändert man es nicht einfach? Eine erste Maßnahme könnte sein, sich medialen Inhalten zu verweigern, die Angst durch gewalttätige Szenarien erzeugen. Da bliebe kaum etwas übrig vom Fernsehabend, richtig? Selbst die Nachrichten der Öffentlich-Rechtlichen kämen auf den persönlichen Index.

Auch im Internet müssten Inhalte mit den Begriffen “Terrorismus”, “Finanzkrise”, “Klimakrise” oder “Pandemie” weggefiltert werden.

Angst, so kann man mit Recht behaupten, ist eine akzeptierte und darüber hinaus offiziell geförderte Seuche, die uns die Augen verklebt und dem Denken Nahrung für düstere Zukunftsprognosen gibt.

Im Hier und Jetzt gibt es keine Angst und auch keine düsteren Zukunftsaussichten.

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